Stellenabbau bei den AZ Medien
Die AZ Medien AG streicht per 1. Juli 2010 gruppenweit 25 weitere Stellen primär in den Redaktionen und Verlagen der Tageszeitungen und Zeitschriften. Man habe Ende März angekündigt, dass im Rahmen eines "Ergebnisverbesserungs-programms" gegen 30 Stellen abgebaut würden, nun seien es 25, sagt der Verlag. Dabei seien auch sechs Kündigungen ausgesprochen worden. 15 Stellen würden nach natürlicher Fluktuation nicht mehr neu besetzt, der Rest lasse sich mittels Pensenreduktionen oder Frühpensionierungen abbauen.
Es ist dies nun schon der dritte Stellenabbau in Folge bei der AZ Medien AG. Schon 2008 waren 30 und letztes Jahr 65 Stellen gestrichen worden.
Einbruch bei Werbeeinnahmen
Die gedruckte Presse in der Schweiz hat 2009 mit 1,92 Mrd. Fr. einen Fünftel weniger Werbeeinnahmen verbucht als im Vorjahr. Noch stärker als der Schnitt betroffen waren die grossen Tageszeitungen, wo der Einnahmenschwund 25 Prozent betrug. In der Finanz- und Wirtschaftspresse brachen die Einnahmen nach den Erhebungen der Stiftung für Werbestatistik gar um 35,1 Prozent ein. Bei der Sonntagspresse bewegt sich der Rückgang bei etwa 28,7 Prozent. 37,3 Prozent der Werbeausgaben gingen 2009 an die Presse, damit fiel diese Kategorie erstmals unter 40 Prozent.
Medienpreis Aargau/Solothurn
Der 12. Medienpreis Aargau/Solothurn mit einer Preissumme von 12'000 Franken geht an Sabine Altorfer ("Aargauer Zeitung") und Marco Jaggi (Radio 32) sowie an Hanspeter Bäni und Nicole Vögele (beide Schweizer Fernsehen). Keinen Preis gabs in der Kategorie Fotografie. Kulturredaktorin Sabine Altorfer erhielt die Auszeichnung für die Serie "Leuchttürme", in der sie die aargauische Kulturpolitik ausgeleuchtet hatte. Eine Radioreportage über die letzte Fahrt der alten Sesselbahn auf den Solothurner Hausberg Weissenstein brachte dem Journalisten Marco Jaggi den begehrten Medienpreis ein. An der Preisverleihung in Olten bedachte die Jury bereits zum vierten Mal den TV-Reporter Hanspeter Bäni mit dem Medienpreis Aargau/Solothurn. Er wurde für seine Reportage "Pflegen bis zum Tod" ausgezeichnet, die im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt worden war. In der Kategorie TV bekam auch die Journalistin Nicole Vögele für ihren Kurzbeitrag über Breakdancer die Auszeichnung. Der Beitrag war in der Nachrichtensendung "10 vor 10" des Schweizer Fernsehens gelaufen.
Journalistinnen und Bildredaktoren diplomiert
42 Journalisten und 11 Bildredaktoren konnten am 15. April das Diplom der Schweizer Journalistenschule MAZ entgegen nehmen. Die Journalisten setzten sich in vier berufsbegleitenden Semestern intensiv mit Handwerk und Theorie auseinander. Nach dem Abschluss haben 80 Prozent der Absolventen eine feste Stelle. Die Bildredaktoren haben während einem Jahr mit Profis aus dem Bereich Fotografie gearbeitet und über rechtliche und ethische Fragen im Bildjournalismus nachgedacht.
Aus dem Einzugsgebiet des JVAS haben folgende Kolleginnen und Kollegen die Diplomausbildung abgeschlossen: Michele Coviello, Aargauer Zeitung; Nicole Emmenegger, Aargauer Zeitung; Sandro Inguscio, Wohler Anzeiger; Philipp Muntwiler, AZ Wochenzeitungen; Julian Perrenoud, Solothurner Zeitung; Martin Rupf, Aargauer Zeitung; Thomas Stillhart, Zofinger Tagblatt;
Tamedia übernimmt Zürichsee Zeitung
Bewegung in der Schweizer Presselandschaft. Mit einem Tauschgeschäft überraschen die Medienhäuser Tamedia und NZZ: Tamedia stösst die "Thurgauer Zeitung" an die zur NZZ gehörende FPH Freie Presse Holding AG ab und kauft im Gegenzug die Beteiligungen an den Zürichsee Zeitungen. Zusätzlich übernimmt Tamedia auch den 60 prozentigen Anteil der Familie Gut und wird damit zur vollständigen neuen Besitzerin von "Zürcher Unterländer", "Zürichsee Zeitung" und "Zürcher Oberländer".
impressum fordert Erhalt von Arbeitsplätzen
impressum ist besorgt über die Übernahme von Landzeitungen durch tamedia und das Zusammenrücken der "Thurgauer Zeitung" und des "St. Galler Tagblatts" unter dieselbe Holding. Redaktionelle Zusammenarbeiten würden zu stossenden Meinungs- und Medienmonopolen führen. Ein Stellenabbau wurde bereits angekündigt, auf die Ausdünnung oder Schliessung von Redaktionen sei jedoch strikte zu verzichten. "Verschiedene Medien dürfen nicht dieselben Inhalte publizieren - auch nicht konzernintern!", so der Berufsverband.
Die Lokalsplits des "Tages Anzeigers" mit den eigens dafür aufgebauten Lokalredaktionen hätten nicht den erwünschten Erfolg gebracht. tamedia ändere darum die Strategie und übernehme kurzerhand die Konkurrenztitel "Zürcher Unterländer", "Zürichsee Zeitung" und "Zürcher Oberländer". Damit sollen "vorteilhaftere wirtschaftliche Perspektiven geschaffen werden". Gefährdet seien einmal mehr Meinungs- und Medienvielfalt sowie die Arbeitsplätze festangestellter und freier Journalistinnen und Journalisten.
impressum appelliert dringend an die soziale und publizistische Verantwortung des Grossverlags tamedia und fordert, dass die bisherigen Redaktionen sowohl des "Tages Anzeigers" als auch der neu zu tamedia gestossenen Landzeitungen im bisherigen Umfang bestehen bleiben. Dieselbe Forderung geht an die NZZ.
Wettbewerbskommission befragt SDA
Die Wettbewerbskommission (Weko) will Genaueres erfahren über die Rolle, die die Nachrichtenagentur SDA bei der Schliessung von AP Schweiz gespielt hat. "Aufgrund von Medienberichten sind wir auf das Verhalten der SDA aufmerksam geworden, dem gehen wir jetzt nach", sagt Weko-Vizedirektorin Carole Söhner-Bührer. Noch handle es sich aber nicht um ein formelles Verfahren, sondern um eine Befragung. SDA-Chefredaktor Bernard Maissen sieht darin kein Problem. "Es ist normal, dass die Weko aktiv wird", sagte er. Allerdings handle es sich im Fall SDA/AP weder um eine Übernahme noch um eine Fusion. Zudem habe man im Vorfeld des Deals mit dem Deutschen Depeschendienst (ddp) juristische Abklärungen in Sachen Weko vorgenommen.
Peter Wanner über Verlagspläne
Die AZ Medien AG hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von 14,8 Mio. Franken gemacht. Das Medienhaus litt vor allem unter einem Rückgang der Stellenanzeigen und des Werbemarkts. Eine Sparrunde vermochte den Verlust nur zu zwei Dritteln abzufedern. Die gesamten Einbussen auf Konzernebene betrugen 40 Mio. Franken. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 19,5 Prozent auf 240,7 Mio. Franken.
In einem Interview mit der "Aargauer Zeitung" nimmt AZ-Verleger Peter Wanner zum schlechten Geschäftsgang Stellung: "Wir wurden auf dem falschen Fuss erwischt, denn viele Investitionen waren ausgelöst, als uns die Krise traf. Ich bereue aber keine, sondern hätte höchstens die eine oder andere etwas mehr gestaffelt."
Wanner will in diesem Jahr unbedingt wieder schwarze Zahlen schreiben. "Das Ziel ist, dass die Eigenkapitalquote rasch wieder auf 50 Prozent steigt. Das wird aber wahrscheinlich zwei Jahre dauern", gibt der AZ-Verleger bekannt. Nebst der Realisierung eines Sparprogramms müsse die Integration von Vogt-Schild und der Basel-landschaftlichen Zeitung vollendet werden. "Wir können hier noch Synergien herausholen, indem wir zentralisieren. Wir verlegen rückwärtige Dienste wie die Buchhaltung, die Satzherstellung oder die Informatik nach Aarau. Vor Ort bleiben die Redaktionen und die Verlags- und Verkaufsabteilungen", so Wanner.
Im Bereich Online will Wanner zügig vorwärts machen. "Wir haben Ideen. Zuerst müssen wir jedoch die Kosten senken, und erst in der zweiten Phase werden wir die nötigen Investitionen tätigen wahrscheinlich aber nur mit Partnern." Dabei schliesst Wanner nicht aus, mit einem Zürcher Verlagshaus zu kooperieren. "Ich habe aber keine geografische Vorliebe." Interessant sind Wanners Äusserungen deshalb, weil er bis Herbst ein konkretes Ergebnis erwartet. Im Herbst will die NZZ Gruppe das Online-Projekt NZZ Netz lancieren, ein Konkurrenz-Verbund zum Newsnetz von Tamedia. Wanner: "Wir haben keine Berührungsängste gegenüber NZZ oder Tamedia."
Neuer Aargauer Radio-Sender
Die Aargauer Radiostation Radio Inside mit Studiositz in Zofingen ist über DAB+ und Internet zu empfangen. Sie widmet sich ganz der Schweizer Musik aller Stilrichtungen, die 75 Prozent im Programm ausmachen soll. Die Unterstützung aus der Musikszene und von Künstlern direkt sei gewaltig, sagt David Kaufmann, Geschäftsführer und Programmleiter von Radio Inside. Es seien hunderte von Tonträgern zugesendet worden.
Der Sender finanziert sich ausschliesslich über Werbeeinnahmen. Das Programm wird in erster Linie von zwölf Sendungsmachern bestritten. Beim Radiosender sind vier Personen fest angestellt. Kaufmann ist in der Aargauer Medienszene kein unbeschriebenes Blatt. Der 26-jährige David Kaufmann arbeitet als Nachrichtenmoderator beim Regionalsender Tele M1. Diese Tätigkeit will er in einem Pensum von 30 Prozent auch beibehalten.